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Währungsreform 2011?



Seit Monaten ist in Deutschland und international die Wiedereinfűhrung einer deutschen Währung als Ersatz fűr den angeblich moribunden Euro im Gespräch. Es wird davon ausgegangen, dass eine solche Währungsumstellung möglich und durchfűhrbar ist. Das ist aber keineswegs gewiss.

Am 21. Juni 1948 wurde Deutschlands Währung, die Reichsmark, ungűltig. Ein neues, in Amerika gedrucktes Zahlungsmittel, Deutsche Mark genannt, trat an ihre Stelle. An einem noch zu bestimmenden Tag 2011 (oder 2012?), vorzugsweise an einem Wochenende, wűrde der Euro in Deutschland als Zahlungsmittel ungűltig werden. An seine Stelle träte die Neue Mark (NM), gedruckt im Auftrag der Bundesbank und von ihr durch die Landeszentralbanken verteilt.

Wie schon 1948 erhalten Privatpersonen, Unternehmungen und Handelsbanken eine bescheidene Erstausstattung an Mark im Vorgriff auf die kűnftige Umstellung von Euro in Mark im Verhältnis 1 zu 1. Binnen weniger Arbeitstage műssen alle deutschen Wirtschaftssubjekte – Personen, Firmen und Körperschsaften – ihren Euro-Barbestand auf Sperrkonten einzahlen und ihre eingefrorenen Euro-Guthaben, Forderungen und Verbindlichkeiten zum Umtausch anmelden.

Der Umtausch erfolgt nach Prűfung durch die Finanzämter und Zentralbanken im Verhältnis 1: 1. Nur das Euro-Bargeld in Műnzen kleiner als 2 Euro gilt weiterhin und wird erst allmählich aus dem Verkehr gezogen.

Soweit die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

Der Euro ist ein anderes Vehikel als die alte Reichsmark, die nur in Deutschland und Österreich galt (wo sie schon 1945 in Schilling umgetauft wurde und im Prinzip bis zur Einfűhrung des Euro Zahlungsmittel blieb).

Der Euro gilt in nun 17 Ländern Europas. Wenn Deutschland eine Währungsreform durchfűhrt, ist im Prinzip der ganze, gewaltige Euro-Umlauf umtauschberechtigt. Worin unterscheidet sich ein zypriotischer oder estnischer Euro von einem deutschen? Wie können Finanzamt und Landeszentralbank unterscheiden, ob ein Guthaben bei einer deutschen Bank einem Deutschen gehört, oder einem Griechen? Der Erstere hätte Anspruch auf Umtausch (vermutlich), der Letztere nicht (warum eigentlich nicht?).

Warum sollte der Grieche seine Euro in Mark umwandeln wollen?

Aus zwei zwingenden Grűnden. Erstens wird die Einfűhrung der Mark dem Euro den Todesstoss versetzen. Als Rumpfwährung ohne den Rűckhalt der grössten Volkswirtschaft Europas werden die Euro-Wechselkurse abstűrzen, selbst wenn die Bundesregierung weiterhin zu ihren Garantieversprechen fűr malade Euroländer steht. Der Eurokurs kann sich auch auf lange Sicht nicht stabilisieren, denn in der Rumpf-Eurozone bestimmen dann notorische Inflationsländer wie die PIIGS und Frankreich den Geldwert.

Der zweite Grund, der den hellhörigen Griechen bewegen wird, seine Euros (und ein paar geborgte) in Mark umzuwandeln, ist der erwartete Kursgewinn der Mark. Spiegelbildlich zur Abwertung des Rest-Euro wird die Mark in die Höhe schnellen wegen des Vertrauens, das die Welt in deutsche Leistungsfähigkeit und Stabilitätspolitik setzt.

Die deutsche Währungsreform wäre also eine Gelegenheit, die kein tűchtiger Spekulant versäumen darf. Gleichzeitig ist jedoch jeder solche Spekulationsgewinn ein Verlust fűr die deutsche Volkswirtschaft, nämlich ein deutsches Geschenk an die Spekulanten.

Nehmen wir an, eine Reihe anderer Länder, die besonders stabilitätsbewusst und mit Deutschland wirtschaftlich verflochten sind – etwa die Niederlande, Estland, die Slowakei, Slowenien und Österreich – wűrden ebenfalls den Euro verlassen und die neue Mark als Zahlungsmittel einfűhren. Dann wűrde die Bundesbank praktisch Nachfolger der Europäischen Zentralbank EZB fűr die neue Markzone werden.

Zwei Gefahren drohen, die Währungsreform zu torpedieren: zum einen die Möglichkeit, dass die Vorbereitungen nicht geheim zu halten sind und das Datum vorzeitig durchsickert. Das wűrde bedeuten, dass die Spekulanten – darunter grosse Firmen und Banken – Gelder in der Grössenordnung von tausend Milliarden Euro kurzfristig nach Deutschland schaufeln können, um den Gewinn einzustreichen.

Schlimmer noch: sollte es den Finanzämtern und Zentralbanken aus praktischen oder europarechtlichen Grűnden nicht gelingen, ausländische Guthaben und spekulative Zuflűsse vom Umtausch auszuschliessen, so könnte die Währungsreform scheitern. Der űberwiegende Teil der Euro-Geldmenge wűrde den Umtausch erzwingen.

Der Markt wűrde danach den alten Euro als Zahlungsmittel nicht mehr akzeptieren. Es käme ein neuer Euro zustande, Mark genannt, und die Europäische Zentrabank könnte ihre Pforten schliessen und die Schlűssel bei der Bundesbank abgeben.

Wir dűrfen vermuten, dass es in Frankfurt und Berlin einige Leute gibt, die das alles und mehr durchdacht und Kanzlerin Merkel entsprechend beraten haben. Wenn die Kanzlerin sagt: es gibt keine Alternative, als den Euro zu retten, so gesteht sie, mit dem Rűcken zur Wand zu stehen. Es ist sehr gut möglich, dass es die Alternative einer Währungsumstellung nicht gibt. Sie geistert zwar durch die Medien, aber mehr als ein Palliativ fűr den Euro-Schmerz ist sie wohl nicht.

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—— Heinrich von Loesch